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Sitzungssaal sowjetischer Militärtribunale

Günter Martins (* 1931) stand zwischen dem 13. und 15. Mai 1951 mit sieben weiteren Angeklagten in der ehemaligen Kapelle vor einem Militärrichter. Ihnen wurde Spionage und Waffenbesitz vorgeworfen. Er erinnerte sich:

"Wir durften untereinander nicht reden. An den Wänden standen Bewachungssoldaten mit Maschinenpistolen. Vorne saßen drei Offiziere, in der Mitte der Hauptverantwortliche. [...] Für die Urteilsverkündung, zuerst in russischer Sprache und dann in der Übersetzung, mussten wir aufstehen [...]: Heinz Amler, Tod durch Erschießen – Fritz Teichert, Tod durch Erschießen – Günter Martins, 15 Jahre verschärfte Haft. [...] Das konnte man sich nicht vorstellen. Wir haben das als Abschreckungsmaßnahme empfunden, aber wir sollten schrecklich enttäuscht werden. Die beiden wurden tatsächlich dann am 6. Dezember [1951] in Moskau in der Butyrka erschossen. Wir anderen, wir haben uns dann alle in Workuta [Sowjetunion] wiedergefunden." (Günter Martins, 2010)

Die Zahl der in diesem Gerichtssaal Verurteilten ist ebenso unklar wie die der verhängten Todesurteile. Den Gnadengesuchen der Betroffenen wurde nur in Einzelfällen stattgegeben; sie erhielten langjährige Haftstrafen. Erst nach dem Tod Stalins im März 1953 sprachen Sowjetische Militärtribunale Todesstrafen wesentlich seltener aus.

Heute erinnert nur noch ein Lenin-Medaillon an der Wand des Raumes an die frühere Nutzung. Betroffene werden auf Grundlage des Gesetzes der Russischen Föderation vom 18. Oktober 1991 "Über die Rehabilitierung der Opfer politischer Repression" auf Antrag rehabilitiert. Mit der Rehabilitierung durch die russischen Behörden wird die damalige Verfolgungsmaßnahme der Sowjetunion für unrechtmäßig erklärt und als Unrechtsmaßnahme aufgehoben.

Fotos

  1. 1954 | Günter Martins, Pieskow
  2. 1994 | Günter Wojnar, Potsdam