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Sowjetische Geheimdienststadt "Militärstädtchen Nr. 7"

Über das "Militärstädtchen Nr. 7" als Geheimdienststandort und den Haftort in der Leistikowstraße als zentrales Untersuchungsgefängnis der Militärspionageabwehr war bis zur Öffnung des Areals 1994 kaum etwas bekannt. Als einzige deutsche Zivilisten durften Schornsteinfeger, Stromableser und Handwerker das Gelände betreten. Selbst Anwohner, wie beispielsweise Familie Schalinski, hatten nur diffuse Vorstellungen von der Funktion des gesperrten Areals. Günter Schalinski war Pfarrer der Pfingstgemeinde Potsdam. Er lebte mit seiner Familie von 1976 bis 2004 im Pfarrhaus in der Großen Weinmeisterstraße 49 direkt an der Mauer in unmittelbarer Nachbarschaft zur Geheimdienststadt. Die Familie wusste zwar, dass auf dem Gelände ein sowjetischer Geheimdienst stationiert war, "aber, dass hier für ganz Deutschland der Sitz war oder für den Warschauer Pakt sogar, das haben wir erst durch den Stadtkommandanten erfahren, das wussten wir vorher nicht", berichtet Marie-Luise Schalinski.

Anwohner des "Militärstädtchens Nr. 7" konnten die Soldaten lediglich sehen; nur vereinzelt kam es zu Gesprächen; Kinder tauschten beispielsweise Uniformabzeichen mit sowjetischen Wehrdienstleistenden. Kontakte zwischen sowjetischen Militärangehörigen und der deutschen Zivilbevölkerung waren generell unerwünscht. Angehörige des KGB- Wachbataillons hatten sehr selten Ausgang. Ein ehemaliger Wehrdienstleistender berichtete, dass er während seines zweijährigen Aufenthalts die Potsdamer Innenstadt lediglich fünfmal besichtigen durfte. Solche Besuche waren nur in Gruppen gestattet.

Fotos

  1. 1994 | Günter Wojnar, Potsdam | Foto: Georg Schönharting
  2. 1994 | Jeanette Herrmann, Potsdam | Foto: Peter Herrmann
  3. 1972/1974 | Wladimir Jartsew, Oud-Turnhout/Belgien
  4. 1972/1974 | Wladimir Jartsew, Oud-Turnhout/Belgien