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Wohnhaus mit Hausnummer des „Militärstädtchens Nr. 7“

Seit 1947 lebten im „Militärstädtchen Nr. 7“ Geheimdienstmitarbeiter mit ihren Familien. Die Frauen arbeiteten im Areal beispielsweise als Dolmetscher, Schreibkräfte, Verkäuferinnen oder Bibliothekarinnen. Die Kinder verließen täglich die Geheimdienststadt. Sie besuchten die Mittelschule Nr. 3 in der Potsdamer Innenstadt, die als „russische“ Schule für Kinder der in der Garnison Potsdam stationierten Militärangehörigen eingerichtet worden war. Die Einschulungsfeiern fanden auf dem zentralen Fest- und Sportplatz (heute: Mirbachwäldchen) in der Geheimdienststadt statt. Noch heute zeugen Einritzungen in den Bäumen vom Aufenthalt sowjetischer Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter.

Der Geheimdienststandort „Militärstädtchen Nr. 7“ hatte eine Fläche von 16 Hektar mit mehr als 100 Gebäuden. Er war untergliedert in zwei Bereiche: einen Wohn- und Dienstbereich sowie ein Kasernengelände unterhalb des Pfingstberges. Die Geheimdienststadt war durch eine eigene Infrastruktur mit einem eigenen Post- und Telefonsystem relativ autark. Neben Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel, Haushaltswaren und Bekleidung gab es  einen Sportklub, Saunen, ein Café und einen Friseur sowie drei Bibliotheken, ein Hotel und ein Gästehaus. Im Offiziersclub im Gebäude des Hauptquartiers und im Soldatenclub fanden Musik- und Filmveranstaltungen statt. Eine Anwohnerin erinnert sich: „Die Soldaten haben scheinbar wirklich nur Kriegsfilme zu sehen gekriegt. [...] Immer diese Kriegsgeräusche, also Bomben, Gewehre, Schießen und Schreien und dann kommt der Abschied von der Mutter, von der Frau, von der Freundin oder Schwester oder dem Bruder und dann das Weinen. Dann kam diese Musik in Moll. Die Fenster waren alle offen und das war natürlich meterweit hörbar. Und für uns nicht angenehm.“

Fotos:

  1. 1973 | Privatbesitz, Moskau
  2. 2014 | Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam | Foto: Hagen Immel
  3. undatiert | Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Potsdam | Foto: Hagen Immel
  4. 1994 | Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Potsdam
  5. 1972/1974 | Wladimir Jartsew, Oud-Turnhout/Belgien